Von der Empfehlung, die Temperatur am Warmwasseraustritt auf mindestens 60°C einzustellen und das Wasser nach einem Urlaub vor der ersten Nutzung länger laufen zu lassen, haben die meisten vermutlich schon gehört. Grund für diesen Rat ist die Vorbeugung von Legionellen – Bakterien, die beim Duschen eingeatmet werden können. Doch nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch bei der Arbeit kann man sich mit Legionellen infizieren. Wo ein erhöhtes Risiko besteht und wie Sie sich schützen können, erläutere ich Ihnen in diesem Beitrag.

Legionellen als Krankheitserreger

Legionellen sind im Wasser lebende Bakterien. Die für den Menschen bedrohlichste Art ist Legionella pneumophila, die die Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie) – eine schwere Form der Lungenentzündung – und das Pontiac-Fieber auslösen kann. Das Pontiac-Fieber macht sich durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar und heilt unbehandelt innerhalb von ca. einer Woche aus. Bei der Legionellen-Pneumonie hingegen handelt es sich um eine schwere Erkrankung, die sogar tödlich verlaufen kann. Typischerweise zeigt sie sich durch Husten, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und hohes Fieber, manchmal kommen Durchfall und Verwirrtheitszustände hinzu. Die Betroffenen klagen meist über ein schweres Krankheitsgefühl. Bei schneller und korrekter Behandlung bestehen auch bei der Legionärskrankheit gute Heilungschancen.

Ansteckung

Infektionsgefahr besteht dann, wenn zerstäubtes Wasser mit einer erhöhten Konzentration an Legionellen eingeatmet wird, z. B. beim Duschen, in Whirlpools, über Klimaanlagen oder Luftbefeuchter. Erkrankungen durch das Trinken von Wasser kamen bisher nur in Einzelfällen vor. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Von einer Kontaminierung des Trinkwassers spricht man bereits bei einer Belastung von 100 koloniebildenden Einheiten (KbE) pro 100 ml, wobei das Infektionsrisiko dabei noch gering ist. Bei einer Konzentration von über 10.000 KbE pro 100 ml muss unverzüglich gehandelt, also z. B. ein Duschverbot ausgesprochen werden, bis alle Leitungen desinfiziert worden sind.

Vorbeugung

Es gibt einige einfache Möglichkeiten, das Risiko für eine Infektion mit Legionellen zu minimieren. Legionellen fühlen sich bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 45°C besonders wohl und vermehren sich dann schnell. Ab 55°C können sie sich nicht mehr fortpflanzen, ab 60 °C werden sie abgetötet. Das bedeutet, dass der Temperaturregler bei Anlagen zur Trinkwassererwärmung auf mindestens 60°C gestellt werden sollte und darauf zu achten ist, dass die Temperatur in den Leitungen nicht unter 55°C fällt. Nach einem längeren Urlaub empfiehlt es sich, das Wasser bei hoher Temperatur einige Minuten lang laufen zu lassen, dabei den Raum zu verlassen und das Fenster zu öffnen. Nach Abstellen des Wassers sollte das Fenster noch geöffnet bleiben, bis der Wasserdampf verschwunden ist.

Schutz am Arbeitsplatz

In den Medien wird immer wieder das heimische Badezimmer als möglicher Infektionsort mit Legionellen erwähnt. Doch da Legionellen über jegliche Art von vernebeltem Wasser in die Atemluft gelangen können, ist Vorbeugung auch an anderen Orten unbedingt empfehlenswert. Eine Prüfung des Wassers auf Legionellen ist für viele Betriebe sogar gesetzlich vorgeschrieben. Die Trinkwasserverordnung sieht vor, dass Inhaber von Trinkwasser-Installationen mit Großanlagen zur Trinkwassererwärmung sich in bestimmten Abständen einer Prüfung unterziehen müssen, wenn sie Wasser im Rahmen einer gewerblichen und/oder öffentlichen Tätigkeit abgeben und dieses vernebelt wird.

Für öffentliche Einrichtungen mit Großanlagen zur Trinkwassererwärmung ist die Prüfung auf Legionellen einmal jährlich vorgesehen. Dazu gehören u. a. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegeheime, Hotels und Bahnhöfe. Für Vermieter von Häusern mit mindestens drei Wohnungen, Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen ist die Untersuchung auf Legionellen alle drei Jahre Pflicht.

Nicht nur auf Prüfung verlassen

Die gesetzlichen Vorgaben helfen zwar, die Gefahr für Legionellen-Erkrankungen einzudämmen, endgültige Sicherheit bieten sie aber nicht. Um Legionellen vorzubeugen, gelten für Betriebe die gleichen Empfehlungen wie für Privathaushalte. Wenn beispielsweise in einem Hotel ein Zimmer länger nicht genutzt wurde, sollten Reinigungskräfte ein paar Minuten lang das Wasser laufen lassen und gut lüften. Da man als (Geschäfts-)reisender nie weiß, wann ein Zimmer zuletzt genutzt wurde, kann es nicht schaden, dies auch als Gast zu tun. Infektionsschutz ist in diesem Fall wichtiger als Wassersparen.

Besondere Vorsicht geboten ist auch an Autowaschanlagen, in Gärtnereien und in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, in denen es Klimaanlagen gibt. Daher sind regelmäßige Hygieneinspektionen hier besonders wichtig.

Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich die Gefahr für eine Ausbreitung von Legionellen stark eindämmen. Die Empfehlungen zu beachten, ist grundsätzlich überall ratsam, aber insbesondere dort, wo Wasser vernebelt wird.

 

Weitere Informationen

Merkblatt des Robert-Koch-Instituts

 

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