Erschienen in Sicherheitsbeauftragter 10/2019
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Grippesaison: Überall wird geschnieft, die ersten Kollegen liegen schon flach und die, die noch halbwegs fit sind, schleppen sich zur Arbeit. Als eine Kollegin telefonisch von einem Magen-Darm-Virus berichtet und mitteilt, sie käme später, sind sich die Kollegen einig: „Bleib bloß zu Hause!“ Anstecken möchte sich niemand. Doch die Wahrscheinlichkeit ist am Arbeitsplatz besonders hoch.

Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schleppen sich 50 Prozent der Deutschen trotz Krankheit zur Arbeit. Damit schaden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Kollegen. Abgesehen von störenden Husten- und Niesanfällen, verbreiten sich Viren und Bakterien schnell auf vielen unterschiedlichen Wegen:

  • durch direkten Hautkontakt,
  • indirekten Kontakt,
  • über Lebensmittel
  • und Tröpfcheninfektion.

Händeschütteln, das Drücken einer Türklinke oder ein Schluck aus der falschen Kaffeetasse reichen aus, um am Arbeitsplatz mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen. Gerade am Arbeitsplatz kommen Menschen mit vielen Gegenständen in Kontakt und nutzen Räumlichkeiten, die auch ihre Kollegen nutzen und aufsuchen. Je mehr Menschen, desto mehr Keime sammeln sich an.

Typische Keimherde am Arbeitsplatz sind

  • Tastatur
  • Touchpads
  • Maus
  • Schreibtischoberfläche
  • Kugelschreiber
  • Telefon
  • Türklinken
  • Handläufe
  • Teeküchen
  • Toiletten
  • Armaturen

Influenza – die „echte“ Grippe

Jeder kennt die typische „Männergrippe“, aber auch Kolleginnen meinen manchmal, an einer Grippe zu leiden, obwohl es sich lediglich um einen grippalen Effekt, also eine Erkältung handelt. Im Gegensatz zur Erkältung sind dies die typischen Symptome der echten Gruppe, einer Influenza:

  • Plötzlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 ° C)
  • Trockener Reizhusten
  • Halsschmerzen
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen

Weitere allgemeine Krankheitssymptome können ein Schwächegefühl, Schweißausbrüche, aber auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sein. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei 5-7 Tagen. Für Influenza besteht übrigens eine Meldepflicht an das Gesundheitsamt.

Die Übertragung der Influenzaviren erfolgt überwiegend durch Tröpfchen, welche insbesondere beim Husten und Niesen entstehen und über geringe Distanz auf die Schleimhäute der Atemwege von Kontaktpersonen gelangen können. Darüber hinaus ist die Übertragung durch direkten Kontakt der Hände zu mit virushaltigen Sekreten kontaminierten Oberflächen und anschließendem Hand-Mund-/Hand-Nasen-Kontakt möglich.

Ansteckungen vorbeugen

Die effektivste Präventionsmaßnahme gegen die Influenza ist die jährliche Grippeschutzimpfung. Eine Impfung gegen Gastroenteritis, die Magen-Darm-Grippe, gibt es übrigens nicht. Diese kann viral und bakteriell übertragen werden. Allgemeine Präventionsmaßnahmen, um sich vor Infektionskrankheiten am Arbeitsplatz zu schützen, sind sorgfältiges Einhalten der Händehygiene, Bedecken von Mund und Nase beim Niesen und Husten – vorzugsweise mit der Ellenbeuge und nicht mit der Hand – außerdem sollte man möglichst nicht das Gesicht mit den Händen berühren. Regelmäßiges Lüften ist wichtig, um Keime aus der Luft am Arbeitsplatz zu vertreiben und die Schleimhäute feucht zu halten.

Kollegen sensibilisieren

Wichtig ist es, Kollegen immer wieder für Präventionsmaßnahmen zu sensibilisieren. Nein, es ist nicht unhöflich, gerade in der Grippesaison auf das Händeschütteln verzichten. Im Gegenteil. Sie tragen so dazu bei, dass Krankheitserreger nicht weitergetragen werden. Wer Kollegen, Geschäftspartner und Kunden freundlich anlächelt und informiert, warum er auf den Händedruck verzichtet, trifft auf Verständnis und Dankbarkeit für die Rücksichtnahme.

Der alltägliche Gebrauch eines Desinfektionsmittels ist generell nicht notwendig, wenn auf die Händehygiene geachtet wird. Wer sich jedoch mit Desinfektionsmittel sicherer fühlt, kann dies zusätzlich verwenden.



Dr. Dr. Eva Cramer, Fachärztin für Arbeitsmedizin, beantwortet die häufigsten Fragen zur Grippeschutzimpfung:

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeschutzimpfung?

Der ideale Termin für die Influenzaimpfung liegt im Oktober oder November. Es dauert ca. zwei Wochen, bis sich der volle Impfschutz aufgebaut hat. Sie können sich aber auch später noch impfen lassen. Insbesondere, wenn die Grippewelle erst kürzlich oder nicht eingesetzt hat.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Alle Personen ab 60 Jahren, so empfiehlt es die STIKO (Ständige Impfkommission) des Robert-Koch-Instituts. Aber auch weiteren Risikogruppen wird die Grippeschutzimpfung empfohlen: z. B. Personen jeden Alters, die an einer chronischen Krankheit leiden sowie Schwangeren. Wichtig ist, bei der Grippeschutzimpfung nicht nur an den eigenen Schutz zu denken, sondern sich auch impfen zu lassen, um Risikopersonen im eigenen Umfeld zu schützen, bspw. Säuglinge und ältere Menschen.

Wieso ist die Grippeimpfung eine jährliche Standardimpfung?

Jeder Grippevirus ist anders. Der Impfstoff für eine Grippewelle wird jedes Jahr an den aktuellen Influenza-Typ angepasst. Die Grippeschutzimpfung schützt nur für ein Jahr, denn bei der nächsten Grippewelle hat sich der Grippevirus bereits wieder verändert. Ein neuer Impfstoff muss her.

Wer zahlt die Grippeschutzimpfung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Grippeimpfung für alle Versicherten, für die sie empfohlen ist. Für privat Krankenversicherte gelten ähnliche Kostenübernahmeregelungen.

Wer bietet die Grippeschutzimpfung an?

Die Grippeschutzimpfung erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt. Viele Arbeitgeber bieten auch eine Grippeschutzimpfung direkt im Betrieb an. Ansprechpartner ist der zuständige Betriebsarzt.

Kann man von der Grippeimpfung die Grippe bekommen?

Die Grippeimpfung enthält keine vermehrungsfähigen Erreger und kann daher keine Grippeerkrankung hervorrufen. Da jedoch in der Grippezeit geimpft wird, kann es sein, dass sich Geimpfte kurz vor der Impfung oder danach, wenn der Impfschutz noch nicht vollständig besteht, anstecken oder eine Erkältung mit der Grippe verwechseln. Außerdem sind wie bei allen Impfungen Nebenwirkungen wie Frösteln oder Unwohlsein möglich. Diese Impfreaktionen klingen jedoch nach wenigen Tagen wieder ab.

Von Händehygiene am Arbeitsplatz profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber übrigens gleichermaßen. Mitarbeiter sind seltener krank, was sich in weniger AU-Tagen belegen lässt. Auch im Kundenverkehr macht es einen professionelleren Eindruck, wenn der Gesprächspartner nicht ständig ein Taschentuch benötigt oder das Gespräch durch Husten, Niesen oder gar den Gang zur Toilette unterbrochen wird. Auch unter den Kollegen herrscht mehr Harmonie, wenn nicht einer als „Virenschleuder“ für Unruhe sorgt.

Fazit: Wer an einer Infektionskrankheit leidet, gehört zum Auskurieren nach Hause – für das eigene Wohl und den Schutz der Kollegen.



Checkliste: Richtiges Hände waschen

  • Waschen Sie sich die Hände VOR der Speisenzubereitung und VOR dem Essen sowie NACH dem Toilettengang.
  • Halten Sie Ihre Hände beim Waschen unter fließendes Wasser.
  • Verreiben Sie die Seife 20-30 Sekunden zwischen Ihren Händen.
  • Säubern Sie auch Fingerzwischenräume und Fingernägel.
  • Spülen Sie Ihre Hände gründlich mit Wasser ab.
  • Trocknen Sie Ihre Hände sorgfältig mit einem sauberen Tuch.

 

 

 

 

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